In eigener Sache: Hilferufe aus Afghanistan

Liebe Afghan*innen, liebe Unterstützer*innen, liebe Kolleg*innen,

seit einer Woche stehen unsere Telefone nicht still, und das Postfach läuft über. Wir wissen: anderen Stellen geht es genauso. Wir heben ab, hören zu oder antworten per Mail, weil wir die verzweifelten Menschen, die sich um ihre Angehörigen in Afghanistan sorgen, nicht abweisen möchten mit dem Satz „Wir sind nicht zuständig.“

Aber helfen können wir nicht.

Auch wenn die Menschen z. T. wirklich ganz besonders gefährdet sind, wie Journalist*innen oder sogar Ortskräfte des BND. Auch wir können nur auf eine ReTextgrafik: "In eigener Sache - Hilferufe aus Afghanistan"gistrierung beim Auswärtigen Amt verweisen. Ob Hoffnung besteht, dass Menschen über das Ortskräfte-Programm hinaus evakuiert werden, wissen wir nicht. Aber klar ist, dass die Gruppe der akut und extrem gefährdeten Menschen über die sog. Ortskräfte weit hinaus geht.

Offenbar verweisen viele Stellen an uns in der Hoffnung, dass wir Möglichkeiten oder Ratschläge hätten. Wir müssen diese Hoffnungen leider enttäuschen. Wir tun gemeinsam mit anderen, was in unseren Möglichkeiten liegt, um auf Bundes- und Landesebene Politik und Verwaltung in die Pflicht zu nehmen, dass sie jede Möglichkeit ergreifen, Menschen zu retten und besorgten Angehörigen Antworten zu geben. Dazu gehören vor allem:

  • Evakuierungen ohne jede Bürokratie. Kein Platz in einem Flugzeug darf aus formalen Gründen unbesetzt bleiben. Neben eigenen Staatsangehörigen und Ortskräften müssen auch besonders vulnerable oder exponierte Personen berücksichtigt werden.
  • Schnelle und unbürokratische Visumsverfahren (möglichst digital, ggf. nachträglich als „visa upon arrival“).
  • Erweiterter Familiennachzug über die „Kernfamilie“ hinaus, über eine großzügige Auslegung der rechtlichen Vorschriften und/oder Aufnahmekontingente.
  • Humanitäre Aufnahmeprogramme von Bund und/oder Ländern, über die auch Personen ohne Angehörige in Deutschland Schutz gewährt werden kann, ohne zahlenmäßige Deckelung.

Bis auf Weiteres gilt: Sie können sich ans Auswärtige Amt wenden.

Schicken Sie

  • volle Namen der Personen mit Angaben zur Kernfamilie (Ehepartner und minderjährige Kinder),
  • Passdaten der Personen mit Passnummern, Geburtsort und -datum, digitale Passkopie,
  • kurze Erläuterung zur konkreten, akuten Bedrohungslage, ggf. Belege wie z.B. Arbeitsverträge (ggf. Angaben zu vorhandenem Deutschlandbezug, z. B. Ihren Status in Deutschland)
  • Kontaktdaten der Familie in Afghanistan (Mobilnummer)

am besten alles in einer übersichtlichen Liste, ohne große Mailanhänge, an eine der folgenden Adressen:

040.krise16@diplo.de – für Ortskräfte, deutsche Staatsangehörige und Personen mit Aufenthaltserlaubnis.

040.krise19@diplo.de – für Menschen, die nicht in die enge Ortskräfte-Definition der Bundesregierung fallen („spezielle Evakuierungsanfragen“). Hierhin werden vermutlich zehntausende Fälle gemeldet, was bedeutet, dass die Chancen auf baldigen Hilfe nicht gut sind.

Ob es etwas nützt, können wir Ihnen leider nicht versprechen. Aber es ist der derzeit einzige uns bekannte Weg, Menschen auf die Evakuierungslisten setzen zu lassen.

Auch andere Staaten, insbesondere die USA, evakuieren z. Zt. eigene Staatsangehörige und Ortskräfte aus Kabul. Wenn afghanische Staatsangehörige einen Bezug zu einem  dieser Staaten haben, kann es sich anbieten, auch Kontakt zu dessen zuständigen Stellen aufzunehmen. Adressen und Bedingungen der Evakuierung in die USA und andere Staaten weltweit sind in diesem öffentlichen Dokument zusammengefasst. Wir können allerdings für die Aktualität und Richtigkeit dieser externen Infosammlung keine Gewähr übernehmen. Dafür bitten wir um Verständnis.

Ihre/Eure flupis

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